Der Bitcoin: Heißer als Helene, Angela und der FC Bayern München?

„Der gefährliche Bitcoin Rausch“, so lautet der Titel eines Leitartikels der Rheinischen Post vom 05.12.2017. Der Autor Georg Winters schreibt hier, dass der Begriff Bitcoin bei Google öfter gesucht wird als „Bayern München“, „Angela Merkel“ und „Helene Fischer“ zusammen. Dies finde ich, bei allem Respekt für die genannten Personen und Vereine, persönlich zunächst nicht sonderlich verwunderlich, sondern vielmehr logisch und nachvollziehbar. Der Bitcoin ist nämlich im Gegensatz zu den drei Genannten wirklich „richtig heiß“.
Die Erotik des Bitcoins liegt auf den ersten Blick im dramatischen Kursanstieg dieser Krypto-Währung, der sich seit Jahresbeginn verelffacht hat und aktuell bei 11.680,81 USD liegt. Im spekulativen Focus-Money-Deutsch ausgedrückt, hat sich der Wert des Bitcoins damit in nicht einmal sieben Jahren um „1,91 Millionen Prozent“ gesteigert.
Hammer! – möchte man ausrufen und gleich investieren. Doch bevor Sie das tun, lassen Sie uns einen Blick auf das eigentlich Spannende rund um den Bitcoin werfen. Und das ist die Technologie dahinter, die Blockchain.

Bitcoin = Blockchain?

Wesentliches Merkmal der Blockchain-Technologie ist die Aneinanderreihung und Dokumentierung von Transaktionen, die in einer frei einsehbaren Tabelle eingetragen werden. Diese Tabelle bezeichnet man als „Ledger“, also zu Deutsch einem „Kontenblatt“. Dieses Kontenblatt ist im Prinzip öffentlich und es gibt zahllose Kopien. Eine Transaktion, die einmal in die Ledger eingetragen wurde, kann damit im Nachhinein nicht mehr verändert und jederzeit nachvollzogen werden.

Der Bitcoin ist eine digitale Währung – die Blockchain ist ein digitales Protokoll.

Manipulationen auf Ebene der Transaktion sind ausgeschlossen, zumindest mit den aktuellen und perspektivisch absehbaren Technologien. Denken Sie einmal einen Moment darüber nach: Öffentliche Transaktionen – faszinierend oder? Leben wir doch aktuell in einem digitalen Zeitalter, in dem die Identität oftmals sehr öffentlich ist, die Transaktionen jedoch verbissen geschützt werden, dreht die Blockchain diese Philosophie um: Geschützte Identitäten – öffentliche Transaktionen. Ein hervorragender Denkanstoß für viele neue digitale Geschäftsmodelle.

Der Bitcoin ist eine (und auch nicht die einzige) Krypto-Währung, die die Blockchain Technologie nutzt. Bezahlmodelle sind letztendlich aber auch nur eine von vielen Anwendungsmodellen der Blockchain Technologie.

Blockchain: Ein lahmer Energiefresser?

Auf der Soll-Seite der Blockchain Technologie steht jedoch der (un)verhältnismäßig hohe Aufwand, der mit der Abarbeitung der Transaktionen verbunden ist. Eine Blockchain Transaktion muss von einem sogenannten „Miner“ verifiziert und in die Blockchain eingetragen werden. Weltweit entstehen, gerade dort, wo der Strom „billig“ ist, aktuell enorme Rechenzentren, die nichts anderes tun, als die einzelnen Transaktionen zu „jagen“ und zu bestätigen. Am Beispiel des Bitcoins entstehen mit jeder bestätigten Transaktion übrigens neue Bitcoins, die dem Miner gutgeschrieben werden. Dieses Modell ist ein bedeutender Teil der initialen Wertschöpfung.
Der Energieverbrauch ist dabei enorm. Laut der Webseite BTC-Echo hat der jährliche Energieverbrauch durch die Mining Aktivitäten bereits den Umfang des Verbrauches eines mittelgroßen Landes angenommen. Ich zitiere: „Laut Daten von digiconomist.net beträgt der geschätzte jährliche Energieverbrauch aller Bitcoin-Aktivitäten aktuell ca. 16,36 Terawattstunden (TWh). Wäre Bitcoin ein Staat, würde dieser damit Platz 76 der energieaufwändigsten Staaten der Erde einnehmen.“ Darüber hinaus ist die Bitcoin-Transaktionsgeschwindigkeit durch den hohen Verifizierungsaufwand heute noch sehr niedrig und weit von den Erwartungshaltungen einer „Quasi-Echtzeit“-Verarbeitung entfernt. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass dieses Problem Bitcoin-spezifisch ist. Andere Blockchain-Implementierungen sind deutlich schneller und auch weniger hungrig nach Rechenzentrumskapazitäten.

Die Waage zwischen Hype, Spekulationsobjekt, Ökonomie und auch Ökologie muss also sicher noch gefunden werden. Darüber hinaus gibt es rund um die Blockchain unzählige regulative Themenstellungen.
Aktuell sind sowohl die Blockchain als auch der Bitcoin eine Wette auf die Zukunft. Mittelfristig wird das Grundmodell dieser Technologie die Art und Weise, wie wir Geschäfte machen, zweifellos grundlegend verändern.

Blockchain: Revolution im Transaktions-Management

Obgleich noch nicht im Massenmarkt oder beim Consumer angekommen (Ihr Supermarkt akzeptiert momentan keine Bitcoins…), gibt es eine Vielzahl von ersten Projekten zur Abbildung von Geschäftsprozessen über die Blockchain. Dies unter anderem im Bereich der Logistik, der Versicherungsbranche oder auch im Gesundheitswesen. Vereinfacht gesehen kann man die Blockchain durchaus auch als Workflow-Engine definieren, geht es doch bei Workflows ebenfalls um die sequenzielle, protokollierte Abfolge von Transaktionen bzw. Arbeitsschritten. Konzepte wie die „Smart Contracts“ werden dabei langfristig auch die Rolle von physikalischen oder digitalen Dokumenten im Geschäftsverkehr verändern. Obgleich nicht Teil des initialen Designs, können Dokumente in den Blocks eingebunden werden. Langfristig mögen Dokumente, auch digitale, gar nicht mehr im gleichen Umfang wie heute nötig sein, sondern es werden ggfs. nur noch dokumentenartige Darstellungen oder Reports auf Knopfdruck aus den Blöcken der Chain assembliert. In Echtzeit.

Für d.velop-Kunden und für uns als d.velop AG ergeben sich aus der Blockchain spannende Ansätze, sind wir doch bereits jetzt Experten im Informationsmanagement rund um digitale Dokumente und digitale Workflows. Wir bleiben also dran am Thema.

Sexy Neuland!

Nochmal zurück zum Bitcoin: Ob Sie in den Hype einsteigen und Ihr sauer verdientes Geld in den Bitcoin investieren, das bleibt Ihnen überlassen. Das Potenzial ist zweifellos da, das spekulative Moment dabei sicher aktuell extrem. Also doch besser das Geld für ein FC Bayern-Spiel oder ein Helene-Fischer-Konzert ausgeben? Ihre Wahl! Freiheit ist der Zwang sich zu entscheiden. Sicher ist nur eins:
Die Bitcoin-Blase kann platzen, die Blockchain Technologie wird uns weiter begleiten und die Zukunft verändern. Oder um auch mit Angela Merkel zu sprechen: Neuland!

Werner Lütkemeier

Director Corporate Marketing and Operations, d.velop AG