[Interview] Thorsten Hübschen, Amazon Web Services: “Wir sehen Sprache als den natürlichsten Weg der menschlichen Interaktion.”

Dr. Thorsten Hübschen ist verantwortlich für das D-A-CH Marketing bei Amazon Web Services (AWS).

Geboren wurde er im August 1974. Aufgewachsen zwischen Rechenzentrum und C++, promovierte Herr Dr. Hübschen in reiner Mathematik (Funktionentheorien) mit Nebenfach Informatik. In einem spannenden Interview haben wir mit Thorsten über seine Rolle als „Head of Marketing DACH“ bei AWS, die Marktdominanz einiger weniger Cloud-Anbieter, die Zukunft von Sprachassistenten und das Amazon Partner Network gesprochen.

Thorsten, seit knapp einem Jahr verantwortest du bei Amazon Web Services (AWS) das Marketing für den D-A-CH-Raum. Wie fällt dein erstes Zwischenfazit aus?

2017 war ein sehr spannendes und aufregendes Jahr – für AWS aber auch mich persönlich. AWS weist in seinen letzten Quartalszahlen (Q4 2017) weltweit einen 20 Milliarden US-Dollar Run-Rate Umsatz aus bei einem jährlichen Wachstum von 45%. Damit ist AWS derzeit das am schnellsten wachsende Unternehmen mit einem Multi-Milliarden Umsatz weltweit. Dieses Wachstum spiegelt sich auch in der Geschwindigkeit wieder, in der wir neue Services und Features veröffentlichen. Allein in 2016 haben wir unseren Kunden den Zugang zu 1.017 neuen Features und Services ermöglicht. In 2017 haben wir diese Zahl mit 1.430 deutlich übertroffen.

Unser oberstes Ziel bei AWS ist es, unseren Kunden Technologien zu liefern, die ihnen dabei hilft, sich auf ihr Kerngeschäft zu fokussieren. Ca. 90-95% unserer Roadmap basiert auf Wünschen und Anregungen von Kunden. Wir priorisieren also die IT-Lösungen, die unseren Kunden wirklich weiterhelfen. Diese Kundennähe ist beispielsweise auch die Grundidee des AWS Pop-up Lofts in München, das vom 9. November bis zum 15. Dezember 2017 geöffnet war und nun schon zum dritten Mal seit 2015 in Deutschland stattfand. Dort konnten Entwickler, Start-Ups und Interessierte beispielsweise ihre Problemstellungen mit unseren Solution Architects adressieren, um gleich vor Ort eine Lösung zu finden. Neben dem Pop-Up Loft haben wir aber in 2017 auch zahlreiche andere Events veranstaltet. Auf der all-jährlichen re:Invent in Las Vegas wurden Anfang Dezember zahlreiche neue Services und Lösungen in diversen Bereichen der IT vorgestellt, der Transformation Day und Partner Day im Oktober in Köln widmeten sich ganz dem Thema Digital Transformation. Zudem steht im Frühjahr 2018 die HMI vor der Tür. Dies ist besonders spannend, da wir immer mehr Interesse von Industrieunternehmen sehen, die AWS Cloud zu nutzen.  Dazu gehören Firmen wie SKF, Beckhoff und Dräxlmaier, aber auch Großkonzerne, wie beispielsweise Siemens.

Es tut sich also viel bei AWS und ich freue mich auf ein ebenso spannendes, aufregendes und erfolgreiches Geschäftsjahr 2018.

AWS ist weltweit der führende Anbieter im Cloud-Markt. Ernsthafte Konkurrenz macht aktuell nur Microsoft. Wird das auch in fünf Jahren noch so sein?

Wir bei AWS fokussieren uns seit Gründung im Jahre 2006 mit all unseren Ressourcen auf das Cloud-Business, und speziell darauf, unseren weltweit mehreren Millionen Kunden speziell jene IT-Dienste zur Verfügung stellen zu können, die diese benötigen. Unsere Erfahrung, unser Fokus auf die Bedürfnisse und die Anforderungen unserer Kunden sowie unsere Innovationskraft schaffen für uns beste Voraussetzungen für die Zukunft. Das belegt beispielsweise auch der aktuelle Magic Quadrant for Cloud Infrastructure as a Service, ein Report des Analysten-Hauses Gartner, der jährlich veröffentlicht wird, und AWS als Marktführer bei Cloud-Infrastruktur betrachtet.

Grundsätzlich ist Konkurrenz im Cloud-Geschäft etwas Gutes, weil sie für Kunden Auswahl bedeutet, und die Möglichkeit sich unter mehreren alternativen Anbietern für einen bevorzugten Cloud-Provider zu entscheiden. Generell ist der Markt groß und hat genug Potential für mehrere Cloud-Anbieter, auch wenn wir davon ausgehen, dass es in Zukunft vielleicht nicht 20, sondern eher eine Handvoll etablierter Anbieter im Cloud-Geschäft geben wird.

Kann die starke Abhängigkeit von einigen wenigen Cloud-Anbietern für Kunden nicht auch ein Nachteil sein?

Nein, das sehen wir nicht. Durch das starke Wachstum und die schnellen Neuentwicklungen und Innovationen bleibt ein hoher Konkurrenzdruck vorhanden. Zudem ist AWS bekannt dafür, langfristig zu denken, immer weiter zu investieren und Kostenersparnisse in Form von Preissenkungen an die Kunden weiterzugeben. So hat AWS seit seiner Gründung in 2006 schon 65-mal die Preise für die Nutzung seiner IT-Dienstleistungen gesenkt.

Nutzt du selbst Amazon Echo/Alexa?

Ja, tatsächlich nutze ich Amazon Echo privat – wir haben zwei Amazon Echo und zwei Amazon Echo Show in unserer Wohnung. Alexa ist damit in jedem Zimmer verfügbar und wir steuern Licht und Musik per Sprache. Sehr nützlich finde ich Alexa auch für spontane Fragen nach z.B. den Wetteraussichten oder aktuellen Nachrichten.

Ich freue mich sehr, dass in den USA Alexa nun auch als Assistentin für das Büro verfügbar ist.  Mit Alexa for Business wurde Anfang Dezember auf der AWS re:Invent 2017 in Las Vegas eine neue Form des Sprachassistenten vorgestellt, der speziell für die Anforderungen und Nutzung in Unternehmen ausgelegt ist. So können zukünftig ganz einfach Meetings über die Spracheingabe aufgesetzt, Telefonkonferenzen gestartet, Räume gebucht oder auch speziell konfigurierte unternehmensinterne Programme bedient werden – und das alles über Amazon Echo.

Die Entwicklung bei Voice Assistenten war in den letzten Jahren erstaunlich rasant. Siehst du bestimmte Bereiche in denen Voice Assistenten an ihre Grenzen stoßen werden?

In der zukünftigen Entwicklung von Alexa bzw. von Sprache als Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine sehen wir weniger Grenzen, sondern erweiterte Möglichkeiten. Mit Alexa for Business haben wir kürzlich den Einzug dieser Technologie in das Büro ermöglicht. Wir sehen Sprache als den natürlichsten Weg der menschlichen Interaktion. Dementsprechend ist es nur sinnvoll, Sprache weiter zu etablieren, um die Schnittstelle zwischen Mensch und Computer zu überbrücken.

Das hat auch zuletzt Werner Vogels, der CTO von Amazon.com in seiner Keynote auf der AWS re:Invent betont:

Die klassische Texteingabe über eine Tastatur ist nur eine unnatürliche Notlösung, da bisher eine Eingabe über Sprache technologisch schwierig war. Folglich sehen wir in der Zukunft Sprache zur natürlichen Überbrückung der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine weiter auf dem Vormarsch, sowohl im Büro, als auch im Alltag.

Und den Möglichkeiten, diese Technologien anzuwenden, sind keine Grenzen gesetzt. Beispielsweise hat einer unserer Kunden, das International Rice Research Institute auf den Philippinen, eine Datenbank auf der Basis von 70.000 verschiedenen DNS-Strängen diverser Reissorten aufgebaut, die es kleinen Farmen ermöglichen soll, den Reisanbau durch das gesammelte Wissen zu optimieren. Leider besitzt kaum einer dieser Bauern ein Smartphone, geschweige denn einen PC. Daher blieb dieses Wissen lange ungenutzt. Meist ist in kleinen Dörfern lediglich ein altes Telefon vorhanden. Die Datenbank wurde also mit einer Sprachsteuerung erweitert, die sich moderne Technologien des Machine Learnings bedient, wodurch nun die Bauern die Datenbank über das Telefon problemlos abfragen können. Die Zukunft der Interaktion von Mensch und Systemen liegt in der Sprache als natürlichstes menschliches Kommunikationsmittel und wird in immer mehr Bereichen des Lebens Einzug erhalten.

Zum Abschluss noch folgende Frage: Für d.velop spielt die Partnerschaft zu AWS eine wichtige Rolle in unserer Cloud-Strategie. Welche Rolle spielen Partner wie d.velop für euch?

Das Amazon Partner Network (APN) und damit auch Technologie-Partner wie d.velop sind enorm wichtig für uns. Für viele unserer Kunden stellen die von d.velop und anderen Partnern entwickelten Software-Lösungen eine hilfreiche Unterstützung in ihrer Digitalen Transformation dar. Tatsächlich werden mehr als 50 Prozent der Erlöse über das Partnernetzwerk generiert. Zudem unterliegt das APN einem sehr starken Wachstum: in den letzten 12 Monaten ist der AWS Umsatz, der aus dem APN resultiert, um 90% gestiegen Grundsätzlich unterscheiden wir in Bezug auf unser Partner Netzwerk zwischen Consulting- und Technologiepartnern. Consultingpartner unterstützen Unternehmen die Lösungen von AWS zu implementieren und können auch als Reseller von AWS auftreten. Die Technologiepartner bieten Software-Lösungen an, die auf AWS basieren. Darunter sind viele kleine unabhängige Software-Anbieter (ISVs), die ihre Lösungen auf dem AWS Marketplace anbieten, aber auch große Software-Hersteller, wie Software AG oder SAP. Mit dem Partner Day im November in Köln haben wir unseren Partnern auch ein Event als Plattform gewidmet, um die Interaktion mit AWS weiter zu vertiefen. Im Rahmen dessen wurde mit itelligence ein strategischer Partner angekündigt. Zudem wurde bekannt gegeben, dass unser Partner Arvato Systems eine AWS Business Group kündigt und dadurch die Partnerschaft mit AWS intensiviert. Beide, itelligence und Arvato Systems, sollen als Partner vor allem gezielt den Mittelstand adressieren.

Für AWS sind Partner entscheidend für das Geschäft. Und das gilt sowohl für unsere Born-in-the-Cloud-Partner, als auch für Systemintegratoren und kleinere ISVs.

Vielen Dank für die spannenden Eindrücke, Thorsten!

thorsten hübschen im interview mit d-velop blog