Journey Cloud Migration: Von Lift-and-Shift bis Full Rebuild – die strategisch richtige Methode finden

Es gibt nicht die Cloud. Ist Ihre Cloud Strategie definiert und der Provider ausgewählt, beginnt jetzt die wirkliche Arbeit: Die Migration pro Anwendung ist zu planen. Je nach Betriebsmodell und gewünschter Cloud-Lösung wird im Rahmen eines Migrationskonzepts ausgearbeitet, wie die Zielarchitektur Ihrer Cloud-Lösung im Detail aussehen kann und was Sie tun müssen, um Ihre Daten und Prozesse in einen Cloud-Service zu transferieren.

Finden Sie Ihre Cloud-Migrationsstrategie

Ziel dieser dritten Phase der Cloud Migration Journey ist es, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Methoden, Handlungsempfehlungen für einen detaillierten Migrationsplan für die betrachteten Anwendungen auszuarbeiten. Dieser Plan sollte dabei unbedingt abhängige Aktivitäten und Meilensteine berücksichtigen.

Die Wahl der richtigen Methode hängt dabei immer von Ihrem Geschäftsfeld, Ihrer Cloud-Strategie und der im Detail betrachteten Applikation(en) ab.
Folgende Fragen sollten Sie bei der Auswahl im Hinterkopf behalten:

  • Wie viel Wissen und Erfahrungen haben Sie bereits mit Cloud-Migrationen?
  • Wie viele Ressourcen haben Sie für die Migration der Anwendung(en) zur Verfügung?
  • Wie schnell wollen / müssen Sie in die Cloud migrieren?
  • Welches Risiko sind Sie bereit in Kauf zu nehmen?

Die SaaS-Lösung als präferierter Weg

Bevor Sie jedoch eine aufwendige Migration Ihrer Anwendung planen, sollten Unternehmen vorab den Markt nach einer alternativen Software as a Service-Lösung absuchen und prüfen, ob der Funktionsumfang im Vergleich zur bestehenden Legacy Anwendung für Ihr Unternehmen akzeptabel ist. Findet sich keine gangbare SaaS-Lösung, ist die Migration der Anwendung vorzubereiten.

Die vier Vorgehensmodelle der Cloud-Migration im Überblick

Forrester unterscheidet grundsätzlich zwischen vier Vorgehensmodelle, die in der Praxis häufig kombiniert und in diesem Blogartikel vorgestellt werden sollen:

“Lift-and-Shift”

Wenn Unternehmen möglichst schnell in die Cloud migrieren möchten, wird häufig die „Lift-and-Shift“-Methode gewählt. Lift-and-Shift ist im Wesentlichen ein Gabelstapler-Ansatz, um Anwendungen in die Cloud zu migrieren und Sie ohne Code-Modifikation zu verschieben. Hierbei wird auf Infrastrukturkomponenten der Cloud Provider zurückgegriffen. Migrations-Tools führen kleinere automatisierte Infrastruktur-Konversionen aus, an der Anwendung selbst gibt es höchstens marginale Änderungen. Das bedeutet, dass Sie bei dem „Lift-and-Shift“ Ansatz Ihre bestehende Anwendung in die Cloud (IaaS) migrieren ohne dabei beispielsweise eine Optimierung an der Applikation selbst vorzunehmen.

In diesem Fall wird eine VM (Virtual Machine) wie eine Blackbox behandelt und Stück für Stück kopiert. Dieser Ansatz bietet einen schnellen und weniger ressourcenintensiven Migrationsprozess und bietet damit einen effektiven Weg kurzfristig hohe on-premise Infrastrukturkosten zu reduzieren. Allerdings wird mit diesem Ansatz die Anwendung nicht im Hinblick auf die Cloud optimiert und die klassischen Cloud Vorteile, wie Geschwindigkeit, Agilität und Skalierbarkeit lassen sich nicht vollumfänglich ausschöpfen. Die Option der „Lift-and-Shift“ Methode wird daher häufig bei nicht modifizierter Stangenware angewendet.

„Lift-and-Extend“

Laut Forrester Research die meist verbreitete Methode. Beim „Lift-and-Extend“ Ansatz werden Ihre Anwendungen auf die Plattform (PaaS) des Cloud-Anbieters angepasst. Es folgt also ein Rehosting der App in einer Public Cloud. Auf dieser Plattform haben Unternehmen die Möglichkeit Ihre Anwendungen kontinuierlich zu erweitern und bei Bedarf grundlegend abzuändern. Dieses Vorgehen eignet sich sowohl für eigenentwickelte, als auch für Standardsoftware. So können Unternehmen unkompliziert Schritte zur Modernisierung ihrer Anwendungen vornehmen. So werden im Unterschied zur „Lift-and Shift“ Methode Neucodierungen in Kauf genommen, um von den Vorteilen der Cloud-Infrastruktur zu profitieren. Dieser Ansatz bietet einen soliden Mittelweg, sodass Unternehmen die Vorteile der Basis-Cloud-Funktionalität und Kostenoptimierung zumindest teilweise nutzen können.

„Hybrid Extension“

Statt Anwendungen physisch in die Cloud zu transferieren, haben Sie hier die Möglichkeit diese Anwendungen mit Cloud-Ressourcen zu erweitern. Dabei erweitern Sie die Applikation um neue Funktionen in der Cloud, während der Großteil der bestehenden Funktionen on-premise oder in einer Hosted Private Cloud verbleiben. Bei diesem Vorgehen ist auf die Latenzzeiten, die von der Entfernung zwischen den Standorten abhängen, zu achten. Die Hybrid Cloud Extension bietet damit eine sichere Hybridverbindung, über die Sie interne Anwendungen ausweiten können. So können Sie zusätzliche Computing- und Storage-Kapazität nutzen, ohne Ihre Netzwerk- oder Sicherheitskonfiguration zu ändern. Hybrid Cloud Extension ist damit ein schneller, risikominimierter Ansatz zur Verlagerung von Kapazitäten in die Cloud und bietet die Möglichkeit ohne Änderungen am Betriebssystem oder den Anwendungen selbst zu migrieren.

„Full Rebuild“

Die letzte Option, wie Sie Anwendung(en) in die Cloud verlagern können, besteht darin, diese von Grund auf in der Cloud neu zu entwickeln. Anwendungen werden mit cloud nativen Frameworks und Funktionen neu konzipiert, sodass diese die Vorteile des Cloud-Computing vollumfänglich ausschöpfen können. Da Neuentwicklungen in der Cloud ressourcen- und zeitintensiv sind, sollten Unternehmen dieses Szenario nur für ausgewählte business-kritische Systeme in Betracht ziehen. Hier gilt es stets zu prüfen, ob sich die hohen Investitionen in eine Neuentwicklung rechnen. Technisch bedeutet dies, dass eigenentwickelte Anwendungen in skalierbare Komponenten zerlegt und in der Cloud neu codiert werden. Obwohl dieser Ansatz mit hohen Investitionen verbunden ist, bietet er jedoch die Möglichkeit Ihre Anwendungen und Infrastruktur so zu modifizieren, dass Cloud-native Funktionen in vollem Umfang genutzt und Kosteneffizienz in der Cloud erreicht werden kann.

Der Vergleich der Methoden zeigt, dass es nicht die eine ultimative Lösung gibt, um Ihre Anwendungen in die Cloud zu verschieben. Jeder Ansatz hat seine Vor- und Nachteile, sowie Risiken. Möglicherweise verwenden Sie mehr als eine dieser Optionen, wenn Sie planen gleich mehrere Anwendungen in die Cloud zu verschieben. Das verstehen der Prioritäten und Situationen Ihres Unternehmens, sowie der Anwendungen selbst, hilft Ihnen die richtige Entscheidung zu treffen.

Meistern Sie die Migration in die Cloud

Die Ausführungen zeigen, dass Unternehmen im Vorfeld der Migration weit mehr klären müssen als die Fragen nach bevorzugten Diensten und Rechenzentren in der Cloud. Nachdem Sie ableitend von der Cloud-Strategie (und der Entscheidung für die Migration einer Anwendung) einen detaillierten Migrationsplan mit Meilensteinen, Aktivitäten und unter Berücksichtigung von Abhängigkeiten pro Anwendung erstellt haben, geht es mit der Arbeit im Detail los und Sie sind bereit, Ihren Workload in die Cloud zu verschieben. Achten Sie dabei auf die Schnittstellen, Informationsströme und Prozesse, die miteinander verknüpft werden müssen.

Tools der Cloud-Anbieter können Sie dabei unterstützen, Daten sowohl in den Storage hinein, als auch hinaus zu schieben. Objekte wie Dateien können mit nativen Tools meist problemlos migriert werden. Für den Fall, dass Ihre Daten für diese konventionellen Migrationstools zu umfangreich sind, besteht die Möglichkeit des Imports sowie Exports. Somit können Sie Festplatten mit den lokalen Daten an die Cloud Datacenter senden.

Generell ist empfohlen die Migration vorab ausreichend zu testen und zu pilotieren, bevor ein vollständiger Transfer der Anwendung in die Cloud stattfindet. Bei der Migration selbst sollten Sie einen Notfallplan bereithalten. Stellen Sie sicher, dass die Workloads entsprechend dem Plan ausgeführt werden, bevor Sie Ihre lokale Infrastruktur ausmustern. Führen Sie Drilldowns aus, um zu überprüfen, ob sich Ihre Sicherungs- und Disaster-Recovery-Lösungen wie erwartet verhalten.

Ist die Migration erfolgreich abgeschlossen ist ein großer Schritt in Richtung Cloud getan. Im nächsten Blogartikel der Serie erfahren Sie, warum Sie unbedingt ein Cloud-Providermanagement etablieren sollten und wie Sie iterativ den Erfolg Ihrer Cloud messen können.

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