KI Technologie als Treiber neuer Geschäftsmodelle: 3 Start-Ups zeigen, wie es geht!

KI ist eines der treibenden Themen unserer Zeit und zieht verstärkt die Aufmerksamkeit von Politik und Wirtschaft auf sich. Mit ein Grund, warum Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalens, Ende Januar zu Gast beim Digital Minds Meetup „Hub:Talk“ auf dem d.velop campus war. Das Event war der richtige Treffpunkt, um über verschiedene Einsatzmöglichkeiten der KI zu diskutieren. Warum? Drei Start-Ups, die aus einer Reihe von Bewerbern ausgewählt wurden, hatten die Chance, ihre Geschäftsmodelle und damit Neuerungen und Trends rund um das Thema Künstliche Intelligenz vorzustellen. Im Anschluss an die Vorstellungsrunde diskutierte Prof. Dr. Andreas Pinkwart gemeinsam mit den Gründern und anderen Wirtschaftsvertretern über die Herausforderungen und Chancen des bevorstehenden Wandels in der Digitalisierung.

KI Technologie im Einsatz: So geht´s!

In diesem Blogartikel möchten wir die Ideen der Start-Ups Juracus, LoyJoy und des Tender Services skizzieren, um zu zeigen, wie KI Technologie heute Anwendung findet.

Juracus – Mit KI die Aufwendungen für Vertragsabwicklung auf ein Minimum reduzieren

Das Start-Up Juracus der Gründer Gökhan Akkamis & Nick Albrecht verfolgt das Ziel, die Vertragsanalyse durch den Einsatz von KI zu optimieren. Unter bisherigen Bedingungen entstehen dem durchschnittlichen mittelständischen Unternehmen jedes Jahr (lt. Aussage Juracus) direkte Kosten in Höhe von zwei Millionen Euro für die Vertragsabwicklung. Von den indirekten Kosten ganz zu schweigen. Hier setzt Juracus an: Anhand vorher definierter Kriterien wird eine Logik entwickelt (Vgl. Abb. 1), welche durch Natural Language Processing [1] semantisch mit den einzelnen Vertragsbestandteilen abgeglichen wird. Dabei arbeitet die KI mindestens genauso zuverlässig wie die besten Anwälte – aber bis zu 200-Mal schneller. Dies reduziert die Kosten der Vertragsabwicklung auf einen Bruchteil. Zudem generiert die KI aus jedem bearbeiteten Vertrag mit Hilfe von Machine Learning neues Wissen und entwickelt sich dadurch ständig weiter. In Hinblick auf den Erfolg ähnlicher Produkte im angloamerikanischen Raum beinhaltet der Einsatz von KI vor allem im stark reglementierten Deutschland enormes Potenzial.

Juracus Kriterium

LoyJoy – Wie KI das Dialogmarketing neu erfindet

Smartphones und Co. haben die zwischenmenschliche Kommunikation in den letzten Jahren stark verändert. Demnach ist es nur konsequent, dass Unternehmen den Dialog über diese Kanäle als direkten Weg zum Kunden nutzen, um eine Beziehung aufzubauen.

Chatbots automatisierten den Dialog zwischen Kunden und Marken über Messaging-Apps, Websites und Voice-Geräte. Das Unternehmen LoyJoy von Gründer Ulf Loetschert automatisiert Chatbots mit Hilfe der Progressive Web App Technologie auf diverse Kommunikationskanäle. Dabei unterstützt die Marketing-Cloud alle gängigen Plattformen wie Facebook, Amazon oder WhatsApp – aber auch den unternehmenseigenen Kanal. Der Kunde benötigt für die Nutzung des Chats somit keine separate App. Gamification-Elemente runden den Service ab und verstärken die Wirkung des 1:1 Dialogmarketing.

Hinter den Chatbots agiert eine Künstlich Intelligenz, die anhand von Natural Language Processing den Dialog zwischen Mensch und Maschine ermöglicht. Dies erlaubt die automatisierte Verarbeitung und Beantwortung von Kundenanfragen. Dahinter trainieren Algorithmen und Verfahren die Maschine, um möglichst allen Kundenanfragen gerecht zu werden. Zudem ist der Chat mit der Kamera des Smartphones verknüpft. Durch das Hochladen eines Fotos entstehen diverse Einsatzmöglichkeiten. So kann das System beispielsweise lernen, Codes auf Konsumgütern automatisch zu erkennen und zu verarbeiten. Aber auch eine erste Beurteilung versicherungstechnischer Schadensfälle wäre so denkbar.

Tender Service – Durch KI den Ausschreibungsprozess optimieren

Tender Service ist ein Projekt der d.velop AG, welches die teilautomatisierte Angebotserstellung zu Logistik-Ausschreibungen ermöglichen soll. Insgesamt entstehen einem Logistik Unternehmen jährlich rund 280.000€ Kosten für die Bearbeitung von Fracht-Ausschreibungen (Arbeitszeit, Anzahl der Ausschreibungen etc.). Diese können aber durch den Einsatz von KI in der Bearbeitungsphase gesenkt werden, indem dem Verantwortlichen bereits Antwortmöglichkeiten vorgegeben werden. Die nachstehende Abbildung veranschaulicht den gesamten Ausschreibungsprozess:

Tender Service d.velop AG

Damit die Bearbeitung durch die KI funktioniert, werden verschiedene Informationen aus den DMS–Systemen oder Tender Software Datenbanken genutzt. Diese werden in drei Schritten verarbeitet, um den Fragenpool für die KI möglichst gering zu halten.
Zunächst findet innerhalb der ersten Klassifizierung eine grobe Kategorisierung des Fragenkatalogs statt. Die Kategorien werden in der zweiten Klassifizierung überprüft und genauer eingegrenzt. Im letzten und wichtigsten Schritt findet eine Ähnlichkeitsbestimmung statt. Hier werden aus den Datenbanken die Fragen der einzelnen Kategorien, welche in der ersten und zweiten Phase ermittelt wurden, herausgesucht. Im Anschluss werden diese durch Word embedding mit den Informationen aus der Ausschreibung verglichen. Daraus schlägt die künstliche Intelligenz drei Antwortmöglichkeiten vor, aus denen der Verantwortliche wählen kann. Es besteht allerdings weiterhin die Option manuelle Eingaben zu tätigen, die die KI bei zukünftigen Ausschreibungen berücksichtigt.

Für weiter Informationen zum Tender Service kontaktieren Sie david.schonebeck@d-velop.de

Erkenntnisse aus der Diskussionsrunde

Alle drei Pitches zeigten eindrucksvoll, wo die Reise in den nächsten Jahren hingehen wird. Eine wesentliche Herausforderung sahen die Diskussionsteilnehmer des MeetUps in der Neuartigkeit des Themengebietes. So sind Voraussetzungen für den Einsatz von KI, wie beispielsweise Daten und Rechenkapazität zwar gegeben, das notwendige Wissen aber muss selbst antrainiert werden, da aufgrund mangelnder Ausbildungsmöglichkeiten kaum Experten auf dem Arbeitsmarkt vorhanden sind.

Weiterhin stellt die Überführung eines Modells in den Betriebsablauf eine große Hürde dar. Zwar kann die Inbetriebnahme und Wartung eines Systems (Juracus, Loyjoy, Tender-Service) durch die Nutzung von Infrastruktur-Anbieter wie Google Cloud oder Amazon vereinfacht werden, führt aber auch zu einer langfristigen Abhängigkeit an ebendiese Unternehmen. Hier käme eine europäische Cloud-Plattform in Betracht, in der Daten gehostet und Machine Learning Prozesse eingebunden werden können. [1]

Chancen sieht Minister Pinkwart allerdings nicht in der datenbasierten, sondern vor allem in der wissensbasierten KI. So besetzt die deutsche Automobilbranche z.B. seit Jahren eine Vorreiterrolle hinsichtlich des Themenfelds autonomes Fahren. Auch das Wissen über die Methoden und Verfahren des Machine Learning sind bereits seit langem vorhanden. Zudem lassen viele Bereiche und Branchen die Möglichkeit offen, durch KI gesteuerte Systeme zu schaffen oder bereits bestehende Prozesse um neue Technologien zu ergänzen. Dadurch kann die Arbeit von Fachkräften zukünftig enorm vereinfacht werden. Laut Pinkwart gilt es, diese Stärken und Chancen zu nutzen und auf andere Geschäftsmodelle zu übertragen. Daher soll die Thematik sowohl in der Forschung, als auch im Transfer weiter ausgebaut werden.

Sie finden KI spannend und wollen gemeinsam mit uns über diese Technologien mehr erfahren? Wachsen Sie mit uns gemeinsam auf dem d.velop forum 2019 in Berlin. Erleben Sie von unseren Impulsgebern innovative und praxisnahe Beispiele zum Thema KI.

 

[1] https://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/trends/investor-frank-thelen-deutschland-benoetigt-dringend-einen-internationalen-technologie-champion/23867660.html?ticket=ST-2557749-AySJB3ioyMpZ371SaSVt-ap5

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