Schick sieht’s aus!

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Um Softwareoberflächen zu gestalten, gibt es viele verschiedene Herangehensweisen. Eine durchaus gängige Methode dabei ist, Software oder Features von einer einzelnen Person oder auch einer kleinen Gruppe entwerfen zu lassen. Leider haben dabei die „Designer“ nicht immer den richtigen Hintergrund oder genügend Informationen, um verschiedene Perspektiven zu betrachten. So wird häufig eine Idee entwickelt und diese verfolgt, bis sich herausstellt, dass sie nicht funktioniert oder sie wird verwendet, ohne dass sie verifiziert wird. Auch in der Agilen Entwicklung kommt das UX Design häufig zu kurz.

Eine Methode die die oben genannten Probleme lösen soll und daher bei der Oberflächengestaltung immer häufiger genutzt wird, ist das „Design Studio“. 2008 publizierten Jim Ungar und Jeff White eine Case Study, welche sie Design Studio nannten.

Später griffen Todd Zaki Warfel (@zakiwarfel) und Will Evans (@semanticwill) diese Methodik auf. Sie gelten heute als Evangelisten dieser Methode.

Was ist ein Design Studio?

Das Design Studio ist eine Methode, um schnell viele Ideen und Lösungen zu einem Problem zu generieren. Wichtig ist dabei, dass beim Design Studio das Spektrum an Teilnehmern breit gestreut ist. Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen – Verwaltung, Vertrieb, Fachbereichen, etc. – betrachten Problemstellungen aus unterschiedlichen Perspektiven und liefern so eine breite Palette an Ideen. Die wichtigsten Bestandteile eines Design Studios bilden das Skizzieren, Iterieren, Kritisieren und Überarbeiten der Entwürfe bzw. Ideen. Die Ideen werden dabei mit Stift und Papier festgehalten – also zunächst einmal tatsächlich analog. Grundsätzlich ist diese Methodik skalierbar, sollte aber einen gewissen Grundrahmen behalten, welcher sich durch die Vorgehensweise selbst ergibt.

Warum sollte ich die Methodik benutzen?

Die Methodik generiert sehr viele Ideen, welche von ganz vielen unterschiedlichen Personen kommen und nicht nur von einer kleinen Gruppe von GUI-Spezialisten. Hierdurch können vor allem Innovationen entstehen und das Fokussieren nur einer Idee vermieden werden. Gute Ideen werden automatisch weiterverfolgt und am Ende können durchaus mehrere Lösungen entstehen. Schlechte Ideen werden automatisch fallengelassen. Ein Design Studio kann 300-400 Entwürfe hervorbringen, sodass Ideen günstig getestet werden können. Ebenso zeigt es die Effektivität der Methode. Das Design Studio kann darüber hinaus die Teamarbeit stärken und das Verständnis der Teilnehmer untereinander verbessern.

Und so funktioniert es…

Das Design Studio widmet sich einer konkreten Aufgabe. Es durchläuft dabei mehrere Iterationen. In jeder Iteration gibt es drei unterschiedliche Phasen. Gearbeitet wird in unterschiedlicher Art und Weise in Teams.

Teilnehmer

Die Teilnehmer eines Design Studios sollen aus ganz unterschiedlichen Personen aus allen Fachbereichen stammen. Wenn die Teilnehmer einen ähnlichen Hintergrund haben, kommen häufig sehr ähnliche Ergebnisse heraus. Bei unterschiedlichen Hintergründen kommen dementsprechend mehr Ideen hervor. Aus allen Teilnehmern werden zunächst ähnlich große Arbeitsgruppen gebildet. Sie bilden so genannte „Cross Funktionale Teams“.

Ablauf der Design Studio Methode

Den Teilnehmern muss der Ablauf des Design Studios erklärt werden. Wichtig hierbei ist es, den Teilnehmern die Angst vor dem Zeichnen zu nehmen. Außerdem sollten die Teilnehmer keine Angst davor haben, Ideen auszuprobieren. In einem Design Studio kann man nichts falsch machen.

Vorstellung der Design Challenge

Den Teilnehmern wird zu Beginn des Design Studios die Aufgabe (Design Challenge) ausführlich erklärt. Die Vorbereitung dieser Aufgabe ist sehr wichtig. Denn die Analyse und die Definition der Aufgabe muss bereits im Vorfeld getätigt werden. Dieses kann nicht innerhalb eines Design Studios geleistet werden. Den Teams kann zusätzlich eine Persona zugeteilt werden, um den Fokus auf einzelne Probleme oder die Benutzergruppe zu stärken.

Die Phasen / Iterationen

Es gibt drei verschiedene Phasen die in einer Iteration ablaufen. Die Iterationen durchläuft jeder Teilnehmer zunächst alleine und später dann im Team.

Create

In der Create Phase bekommt jeder Teilnehmer fünf Minuten Zeit in denen er 6-8 Entwürfe zu der Aufgabe skizzieren soll. Hierbei können einzelne Views oder auch Artboards skizziert werden. Das Skizzieren geschieht ausschließlich mit einem Stift und Papier. Es werden häufig Templates verwendet, in denen die Zeichenflächen und Platz für Notizen vorgegeben sind. Gezeichnet wird nur mit einfachen Formen wie Kreisen, Vierecken, Rechtecken usw. Photoshop, PowerPoint oder ähnliche Software darf nicht verwendet werden. So hat jeder Teilnehmer die gleichen Voraussetzungen. Auf die Zeit sollte streng geachtet werden. Zwar sind fünf Minuten nicht viel, fördert aber ebenfalls das schnelle Entwickeln von Ideen und bewahrt vor langem Überlegen und Konstruieren. In den anderen Phasen sollte die Timebox ebenfalls streng eingehalten werden. Die Erfahrungen zeigen, dass Teilnehmer die zum ersten Mal dabei sind, in der ersten Iteration häufig Probleme haben. In den folgenden Iterationen legt sich dies aber normalerweise.

Pitch

Während der Pitch-Phase hat jeder Teilnehmer jeweils drei Minuten lang Zeit, seine Entwürfe im Team vorzustellen. Fragen können hierbei gestellt werden, Kritik sollte aber noch nicht geäußert werden. Währenddessen können auf den Entwürfen Notizen festgehalten werden.

Critique

Anschließen beginnt zu einer Vorstellung die Critique-Phase. In dieser bekommen die anderen Teammitglieder die Möglichkeit, Kritik an den Entwürfen zu äußern. Es ist sehr wichtig, dass diese Kritik konstruktiv ist.

Gute Kritik umfasst folgende Punkte:

  • 2-3 Dinge, die das Problem gut lösen oder den Zielen gerecht werden
  • 1-2 Dinge, die man verbessern kann – konkrete Verbesserungsvorschläge dürfen dabei gemacht werden

Alle Teammitglieder durchlaufen diese Pitch- und Critique-Phase.

Design Studio bei der d.velop

Bei d.velop hat es sich etabliert, die Pitch- und Critique-Phase zusammen durchzuführen. Allerdings sollte die Timebox genau beachtet werden. Nach drei Minuten geben wir einen Hinweis, damit die Teilnehmer sich orientieren können.

Weiterhin ist es erwünscht, dass Ideen von anderen Teilnehmern aufgenommen oder sogar „geklaut“ werden, falls einem diese Idee gefällt. Nach einer Zeit gleichen sich oftmals die Entwürfe der einzelnen Teammitglieder an. Bei jedem Team kann es aber sein, dass verschiedene Entwürfe herauskommen. Dies ist auch gewollt und keinesfalls eine falsche Lösung.

Bei den Durchläufen als Team wird die Pitch- und Critique-Phase mit einem anderen Team durchlaufen. In der Create-Phase erschafft das Team gemeinsam die Entwürfe. Vor dem Start in die Teamiterationen geben wir den Teams 15 Minuten Zeit, sich abzusprechen. Dieses Vorgehen hat sich ebenfalls als gut erwiesen, da das sonst innerhalb der Create-Phase passiert und häufig keine Ergebnisse erzeugt.

 

Das Design Studio ist im Entwicklungsprozess der d.velop ein fester Bestandteil geworden. Die jeweiligen Teilnehmer sind allesamt begeistert und wollen häufiger teilnehmen. Die Ergebnisse, die in den bisherigen Design Studios entstanden, waren alle so gut, dass sie weiterverfolgt wurden und in die Softwareoberflächen unserer Produkte eingeflossen sind. Wer weiß, vielleicht arbeiten Sie ja sogar selbst schon jetzt damit – oder werden es in Zukunft tun. Fragen rund um das Design Studio bei d.velop beantworten wir gerne – kommentieren Sie einfach diesen Artikel oder schreiben Sie uns an info@d-velop.de.

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Weitere Informationen:

The Design Studio Method by Todd Zaki Warfel:
https://vimeo.com/37861987
Design Studios: The Good, the Bad, and the Science by Jim Lindstrom:
http://www.uxbooth.com/articles/design-studios-the-good-the-bad-and-the-science/
Introduction to Design Studio Methodology by Will Evans:
https://articles.uie.com/design_studio_methodology/
Agile, 2008. AGILE ’08. Conference:
http://ieeexplore.ieee.org/xpl/freeabs_all.jsp?arnumber=4599532