Nein, wir sind nicht hysterisch – und nein, “es ist eben nicht egal”! Unser gesellschaftlicher Beitrag zur aktuellen Krise

Nein, wir sind nicht hysterisch – und nein, “es ist eben nicht egal”! Wie unser Unternehmen mit planvollem und konsequentem Handeln einen gesellschaftlichen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Krise leistet

“Es gehe jetzt vor allem ‘um das Gewinnen von Zeit’, indem alle gemeinsam dafür sorgten, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Bund, Länder und Kommunen sowie alle 83 Millionen Menschen in Deutschland müssten daher alle Kräfte einsetzen, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet werde,” sagte unsere Bundeskanzlerin am 11. März in ihrer ersten öffentlichen Äußerung über die Epidemie. Und weiter:

“Es ist eben nicht egal, was wir tun, es ist nicht vergeblich, es ist nicht umsonst.”

Recht hat sie. Besser hätte man es kaum auf den Punkt bringen können.

Gleichzeitig wissen wir, dass die SARS-CoV-2-Epidemie einen Krankheitsverlauf mit sich bringt, der für die meisten Erkrankten vollkommen unproblematisch ist, oftmals sogar symptomfrei. Vor allem für die Jüngeren. Gefährlich wird es hingegen für ältere Mitmenschen und vor allem für jene mit Vorerkrankungen. Und wir wissen, dass einige Eigenschaften dieser Virusinfektion und Epidemie vergleichbar mit der Ausbreitung und dem Verlauf einer Grippe sind. Also: Warum geht es jetzt darum, Zeit zu gewinnen und Infektionen zu verhindern?

Und was hat das jetzt mit uns zu tun? Mit unseren Unternehmen und mit jedem Einzelnen?

Ich gebe zu, dass ich aufgrund der sich täglich ändernden Faktenlage auch nicht gleich den Durchblick hatte – und sicherlich auch nicht vollumfänglich habe, schließlich bin ich kein Virenexperte. Aber ich trage Verantwortung. Verantwortung für unsere Mitarbeiter und Verantwortung für mein Handeln im Alltag. Und weil das so ist, höre ich oft auch gerne mal etwas genauer zu – auch oder vor allem, wenn ich mir schon eine Meinung zu etwas gebildet habe.

Und dabei habe ich in den letzten zwei Tagen einige Dinge gelernt.

1) Auch wenn viele nicht gefährdet sind: Einige sind es eben doch. Und Verantwortung für Mitarbeiter hört eben nicht “am Werkstor auf” – jede Familie hat Eltern und Großeltern, die möglicherweise zu den gefährdeten Gruppen zählen.

2) Die SARS-CoV-2-Epidemie ist eben keine “gewöhnliche Grippe”.

3) Es geht nicht darum, sich nicht zu infizieren, oder dafür zu sorgen, dass sich kein Mitarbeiter infiziert, oder niemand aus der Familie (was statistisch gesehen unmöglich wäre und deshalb auch oftmals das Argument genutzt wird, dass das “ja sowieso nicht gehe”). Sondern es geht darum, die Verbreitung zu verlangsamen, wenn möglich einzudämmen und so gut wie möglich die Anzahl von Infektionen zu reduzieren.

Zu 1:
Von schweren Krankheitsverläufen sind meistens ältere Mitmenschen betroffen, das wissen wir aus den vorliegenden Daten aus China. Ab 60 Jahren steigt die Sterblichkeitsrate extrem an. Bei den über 70-Jährigen stirbt jede 12. Person, bei den über 80-Jährigen gar jede siebte. Menschen unter 50 Jahren sind nur relativ gering betroffen. In Italien sind diese Raten sogar höher. (Und selbst, wenn viele glimpflich verlaufende Fälle nicht erfasst würden und damit die tatsächliche Rate niedriger läge, wären diese Raten noch immer sehr eindeutig.)

Eine vermeintlich gute Nachricht für Menschen unter 50 Jahren. Eine erschreckende Statistik für Menschen über 60. Es liegt in der Natur des Menschen, zunächst aufzuatmen, wenn man selbst „noch glimpflich davonkommt“ und die eigenen Kinder sogar sicher zu sein scheinen. Dafür muss man sich nicht schämen. Wichtig ist der zweite Blick, der zweite Gedanke, das, was wirklich zählt: Wir leben eben nicht isoliert, sondern wir leben in einer Solidargemeinschaft.
Und in einer solchen Gemeinschaft handelt jeder einzelne so, dass er anderen nicht schadet und nach Möglichkeit zum Wohle aller. Denken wir also an unsere älteren Mitmenschen: Je weniger sich infizieren, desto besser.

Zu 2:
Die Corona-Epidemie ist mit einer Grippe vergleichbar. Aber mehr auch nicht. Es ist keine Grippe.
Die Letalität ist erheblich höher. Man muss derzeit mit einer etwa zehnmal höheren Letalität rechnen – es werden gemessen an der Anzahl der Infizierten also viel mehr Menschen sterben als an einer Grippe.

Des Weiteren gibt es keine Impfstoffe, mit denen gefährdete Gruppen oder auch Krankenhauspersonal zur Erhaltung der Versorgung geschützt werden könnten.

Die Verbreitung verläuft anders. Gerade weil oftmals keine oder geringe Symptome auftreten, kann sich die Krankheit häufig zunächst unerkannt ausbreiten.

Und die Menschen sind im Gegensatz zu bekannten Grippeerkrankungen nicht mit Immunität ausgestattet. Bei den bekannten Grippestämmen hat sich eine “Herdenimmunität” aufgebaut, welche dafür sorgt, dass trotz Verbreitung und Grippewelle nur eine verhältnismäßig geringe Menge Menschen tatsächlich erkranken.

Dies sieht bei dem neuartigen Coronavirus ganz anders aus. Es werden bis zu einer Immunisierung der Bevölkerung sehr viel mehr Menschen erkranken. Und dies ist im Zusammenhang mit der höheren Letalität eben ein sehr großes Problem.

Zu 3:
Wir wissen aus dem Verlauf der Epidemien in China und in Italien, sowie von vergleichbaren Situationen und damit verbundenen Daten aus den USA aus 1918, dass eine sehr schnelle Verbreitung der Krankheit und eine sehr schnell wachsende Zahl schwerer Krankheitsverläufe die Kapazitäten der Gesundheitssysteme überschreiten kann, bis hin zum Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung. Ein langsam verlaufendes Wachstum, flache Welle oder Kurve (flattened Curve) hingegen kann durch die Kapazitäten des Gesundheitssystems verarbeitet werden. “Es ist der Unterschied zwischen der Suche nach einem Intensivbett und einem Beatmungsgerät oder der Behandlung im Parkplatzzelt,” sagt Drew Harris, Professor für Population Health and Health Policy an der Jefferson University in Philadelphia auf Twitter.

Wer sich etwas eingehender mit dem Thema der “Wucht der großen Zahl” beschäftigen möchte, dem empfehle ich die folgende sehr veranschaulichende Webseite:

Ist das Gesundheitssystem überlastet, steigt, wie in Italien sichtbar geworden, die Sterblichkeit dramatisch an. Oder, wie ich es in einem Twitter-Posting eines Nutzers aus Norditalien las:

“In #Italy we made a terrible mistake. Everybody kept saying ‘It’s just a flu’ and now our intensive care units are collapsing. Our grandparents and parents, our friends, are dying”.

Bei einer Überlastung und ggf. einem Zusammenbruch der Gesundheitssysteme sterben mehr Menschen als in funktionierenden Systemen, was die Sterblichkeitsrate ab der Überlastung des Systems dramatisch in die Höhe schnellen lässt. Bei einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems sterben darüber hinaus auch Menschen, die nicht von der Epidemie selbst betroffen sind, sondern auch andere schwer erkrankte, die einer Intensivbehandlung bedürfen.

 

„Es ist eben nicht egal“!

Das sind die Fakten und Zusammenhänge, die uns mittlerweile bekannt sind. Doch was können wir nun tun? Jeder Einzelne? Und wir als Unternehmensverantwortliche im Speziellen?

Nun – es gibt einfache Regeln, die vom Robert-Koch-Institut in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung veröffentlicht wurden. Wir bei d.velop haben bereits sehr früh unsere Mitarbeiter informiert und gebeten, die einfachen Regeln zu beachten.

“Wie bei Influenza und anderen Atemwegserkrankungen schützen das Einhalten der Husten- und Niesregeln, eine gute Händehygiene sowie Abstandhalten zu Erkrankten (etwa 1 bis 2 Meter) auch vor einer Übertragung des neuartigen Coronavirus. Auch auf das Händeschütteln sollte verzichtet werden. Generell sollten Menschen, die Atemwegssymptome, d.h. Krankheitszeichen im Bereich der Atemwege haben, nach Möglichkeit zu Hause bleiben.”

Diese Regeln allein sind jedoch als Maßnahme zur Eindämmung und zur Verlangsamung der Verbreitung nicht ausreichend. Dort wo Menschen unmittelbaren Kontakt haben, verbreitet sich das Virus eben deutlich häufiger und schneller – das ist der Grund für die Absage von Großveranstaltungen. Und genau hier haben wir als Unternehmen d.velop eben auch die Möglichkeit und unserer Meinung nach auch die Verantwortung zu handeln.

Es ist bekannt, dass die Ansteckungsrate 2-2,5 beträgt, also jeder Infizierte 2-2,5 Menschen ansteckt. Das Wachstum ist also exponentiell. Statistisch gesehen ist es quasi ausgeschlossen, dass sich kein Mitarbeiter der d.velop infizieren wird. Und da wir nun mal in geschlossenen Räumen, teils auf engem Raum arbeiten und eben nicht durchgängig einen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern einhalten können, ist es gewiss, dass es bei einer Infektion zu weiteren Ansteckungen kommen wird, zumal die Ansteckungszeit von Experten auf bis zu 27 Tage geschätzt wird.

Folgendes Rechenbeispiel:  Wenn jeder unserer Mitarbeiter nur zu fünf Mitmenschen regelmäßig enge soziale Kontakte pflegt (ich behaupte, es sind mehr), und diese wiederum zu fünf weiteren, dann sprechen wir bei 470 Mitarbeitern der d.velop AG auf dem Campus in Gescher allein von mindestens 470x5x5=11.750 sozialen Kontakten zweiten Grades, auf deren Gesundheit wir direkten oder mittelbaren Einfluss haben.

Mit diesen Erkenntnissen ausgestattet haben wir bei d.velop darüber nachgedacht, was wir tun können, um eine Verbreitung bei uns direkt vielleicht von vornherein zu vermeiden oder einzudämmen.

Da wir bei d.velop aufgrund unserer Eigenschaft als Softwarehersteller und Anbieter von sicheren Cloudservices technisch sehr gut ausgestattet sind und wir über sehr viel Know-how in der Disziplin der Digitalisierung von Abläufen und Vorgängen haben und natürlich auch selbst Experten in der Nutzung ganzheitlich digitaler Systeme und Prozesse sind, lag es für uns einfach auf der Hand, genau dieses Wissen in genau diesem Zusammenhang einfach konsequent und kurzfristig anzuwenden. Ohnehin benötigt der überwiegende Teil unserer Mitarbeiter als Wissensarbeiter fast nichts, als ihren Rechner oder eigentlich nur die entsprechenden Softwareservices.

Aus diesem Grund haben wir unsere Mitarbeiter am 11. März 2020 gebeten, ab sofort das Homeoffice zu nutzen.

Viele unserer Mitarbeiter arbeiten bereits gelegentlich bis häufig von zu Hause aus. Die meisten verfügten also ohnehin über entsprechendes Wissen und die technische Ausstattung für die Arbeit aus dem Homeoffice. Die anderen konnten wir innerhalb von insgesamt nur drei Stunden in die Lage versetzen, aus dem Homeoffice zu arbeiten.

 

Sachlich diskutiert, vorbereitet und planvoll

Die Maßnahme ist sachlich diskutiert, vorbereitet und sehr planvoll umgesetzt worden, und ich bin sehr stolz darauf, mit welcher Selbstverständlichkeit und Professionalität wir fast alle 470 Kollegen – bis auf ein sehr kleines Kernteam von etwa 15 Personen für etwaig anfallende physikalische Tätigkeiten – innerhalb kürzester Zeit in das Homeoffice “versetzen” konnten.

Ich habe bereits am ersten Tag an vielen Video- und Web-Konferenzen teilgenommen, habe mich ohne jegliche technische Hürde mit meinen Kollegen vernetzt und abgestimmt und habe bei keinem einzigen Arbeitsschritt irgend etwas vermisst. So muss Digitalisierung sein. Sie gibt uns eindeutig mehr Optionen zu handeln.

Ich bin gespannt, ob wir auf kleinere Hürden treffen und ggf. unsere Systeme noch geringfügig verbessern können, aber bislang kann ich jetzt schon sagen:
Wir können unsere Leistungen und Services für unsere Kunden quasi von jedem Ort der Welt erbringen. Soviel haben wir bereits aus der Pandemie-Krise gelernt.
Und außerdem konnten wir mit dieser Maßnahme möglicherweise unseren Beitrag leisten, diese Krise zu bewältigen. Was viel wichtiger ist.

#keepcalmandwashyourhands
#coronaisnotflu

PS:

Wie schon ausgeführt, haben wir es bei d.velop mit dem hohen Anteil reiner Wissensarbeiter und fast 100% Computerarbeitsplätzen natürlich vergleichsweise leicht, diese Maßnahme umzusetzen. Mir ist schon klar, dass Ihr Bäcker, Schreiner und Maschinenbauer Eure Leute nicht einfach ins Homeoffice versetzen könnt. Ich bin mir aber sicher, dass jeder von uns und jeder Betrieb auf seine Weise seinen Beitrag leisten kann – wenn er das nicht längst tut. Und nur darauf kommt es an: seinen Beitrag zu leisten.



Quellen:

Drew Harris, Professor an der Thomas Jefferson University in Philadelphia. Die Universität aktualisiert seit einiger Zeit eine weltweite Live-Karte zur Verbreitung des Coronavirus’.

https://www.tagesspiegel.de/wissen/covid-19-und-influenza-warum-der-vergleich-von-coronavirus-und-grippe-hinkt/25598570.html?fbclid=IwAR1HABdO59Du3D6j9RG-Ctqfm8kb8z2UIxdbhnu5fVb2FmiNE9YfajT2LuI

https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/wissen/coronavirus-die-wucht-der-grossen-zahl-e575082/

https://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-merkel-wir-muessen-zeit-gewinnen-1.4840925

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1039211/umfrage/sterblichkeit-durch-das-coronavirus-nach-altersgruppen-in-china/

https://www.stern.de/gesundheit/coronavirus-in-italien–was-die-infektions–und-todesfaelle-verraten-9176234.html

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/grippe-oder-covid-19-wie-sich-die-beiden-infektionen-unterscheiden_id_11705660.html

https://www.tagesspiegel.de/wissen/drohen-in-deutschland-italienische-verhaeltnisse-coronavirus-laesst-in-italien-aerzte-verzweifeln-entscheidungen-wie-in-kriegszeiten/25632790.html

https://www.infektionsschutz.de/coronavirus-sars-cov-2.html

https://www.oseon.com/blog/flatten-the-curve-pr-agentur-home-office-coronavirus-covid19

https://twitter.com/TumminelloFabio/status/1237283622589206530

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