Was macht eigentlich ein Scrum Master? Wir haben nachgefragt…

Was macht eigentlich ein Scrum Master? Wir haben nachgefragt und zwar bei Dirk Strotmann. Er ist Scrum Master bei der d.velop AG und hat uns im Interview alles über seine Rolle und die Aufgaben eines Scrum Masters verraten.

Welche Vorteile bietet die Scrum Methode?

Es gibt viele Frameworks für die Implementierung agiler Methoden. Aber Scrum ist einzigartig aufgrund seines Fokus auf der kurzen Iteration von Aufgaben. Scrum wird häufig bei der Entwicklung komplexer Produkte eingesetzt. Das einfache verständliche Regelwerk macht es sehr leicht einführbar und adaptierbar. Es definiert konkrete Rollen mit Verantwortlichkeiten, Ereignisse und Artefakte – lässt aber gleichzeitig den notwendigen Raum für kurzfristige Korrekturen und kontinuierliche Verbesserungen. Damit ermöglicht es adaptives Planen und ein schnelles Nachjustieren in Projekten. Das ist mehr als wichtig in einer Welt, in der Technologien, Arbeitsprozesse, Märkte und Kundenbedürfnisse einem stetigen Wandel unterliegen. Dadurch, dass das Entwicklungsteam in festen Dekaden, sogenannten Sprints, einen sichtbaren, testbaren und produktiven Output generiert, wird eine zeitnahe Umsetzung neuer Produktfeatures und -eigenschaften möglich. Durch den engen Einbezug der Kunden in die Entwicklung und die kurzen Produktionszyklen kann sichergestellt werden, dass die Nutzer genau die Softwareprodukte bekommen, die sie erwarten und auch wirklich benötigen.

Welche Rollen gibt es im Scrum-Team?

Neben dem Scrum Master besteht das Scrum Team aus dem Product Owner und dem Entwicklungsteam.

Der Product Owner fungiert als Mittler zum Markt. Er muss die Anforderungen an die Software aufgrund neuer Marktgegebenheiten ableiten. Er entscheidet über Produkteigenschaften und priorisiert, welche Eigenschaften zum nächsten Sprint fertiggestellt sein müssen. Um die Produkteigenschaften festzulegen, nutzt der Product Owner den sogenannten Product Backlog. Hier werden die Eigenschaften und Anforderungen an die Software beziehungsweise an das Produkt detailliert notiert und dank des ständigen Austausches mit den Stakeholdern gegebenenfalls geändert oder anders priorisiert.

Der wichtigste Bestandteil des Scrum Teams ist das Entwicklungsteam selbst, welches aus nur maximal zehn Personen bestehen sollte. Das Hauptmerkmal des Teams ist die Selbstorganisation. Das Team sollte ständig transparent sein, ihren Fortschritt prüfen und durch Reflektion Verbesserungen an ihr Vorgehen implementieren. Es entscheidet nämlich selbst, wie und in welcher Reihenfolge es die Backlogeinträge umzusetzen hat. Dabei darf das vorab mit dem PO definierte Ziel des Sprints (Stichwort Definition-Of-Done) aber nie aus den Augen verloren werden. Um alle Ziele zu erreichen, ist eine interdisziplinäre Besetzung des Entwicklungsteams wichtig. Dazu zählen bei IT-Projekten unter anderem die Software-Entwickler, IT-Architekten, Tester, technische Redakteure und Designer.

Was macht der Scrum Master?

Der Scrum Master ist für das Verständnis und die Durchführung von Scrum verantwortlich. Er tut dies, indem er dafür sorgt, dass das Scrum Team die Theorie, Praktiken und Regeln von Scrum einhält.

Eine weitere wichtige Funktion übernimmt er bei der Durchführung, der durch das Scrum Rahmenwerk festgelegten Ereignisse. Er lädt zu Meetings ein und moderiert sie. Dabei löst er mögliche auftretende Konflikte und Meinungsverschiedenheiten im Team. Auch externe Hindernisse, die das Team aufhalten, versucht er zu beseitigen. Weiterhin optimiert er als neutrale Instanz die Effizienz und Qualität der Meetings – jedoch ohne sich idealerweise inhaltlich zu Themen zu äußern. Damit ist er wichtiger Bestandteil des Scrum Teams, da er viele organisatorische Aufgaben übernimmt und dadurch eine Art Managementfunktion (servant leader) einnimmt. Er ist die Person, die dem Team den Rücken freihält, sodass sich dieses vollständig auf die eigenen Kernkompetenzen fokussieren kann.

Warum ist die Rolle des Scrum Masters wichtig und woran wird ihr Wert bemessen?

Es wird deutlich, dass die Rolle des Scrum Masters im Team eine besondere ist. Weder trifft er produktbezogene Entscheidungen wie ein Product Owner noch nimmt er wie die Entwickler aktiv am Entwicklungsprozess teil. Es gibt deswegen Personen, die sich fragen, warum er überhaupt so wichtig ist. Vorteilig und effektiv ist Scrum eben nur, wenn die benötigte Selbstorganisation im Team funktioniert. Dass das stets der Fall ist, ist die Aufgabe des Scrum Masters. Als Moderator und Mittler sorgt er für einen reibungslosen Ablauf. Er fördert gezielt Diskussionen und stellt sicher, dass alle Teammitglieder in Bezug auf den Aktionsplan übereinstimmen. Eine effektive Planung steigert die Erfolgschancen des Teams beim Einhalten der Verpflichtungen des Sprints deutlich. Und genau hier liegt auch der messbare Wert des Scrum Masters.

Welche Fähigkeiten muss ein Scrum Master mitbringen?

Da die Moderation einen großen Teil seiner Aufgabe darstellt und der Scrum Master im Endeffekt keine disziplinare Kraft besitzt, sollte der Scrum Master über ausreichend Einfühlungs- und Durchsetzungsvermögen verfügen. Das impliziert, dass der Scrum Master sehr kommunikativ ist und gerne mit Menschen zusammenarbeitet. Manchmal muss man auch die eigene Begeisterungsfähigkeit auf das Team übertragen, um dieses zu Höchstleistungen zu motivieren. Außerdem sollte man flexibel auf Veränderungen reagieren können und im Falle von Konflikten in der Lage sein, diese zu lösen. Hierfür muss man analytische Fähigkeiten und genügend Überzeugungskraft mitbringen.

Wie wird man eigentlich Scrum Master?

Scrum Master kann man auf verschiedensten Wegen werden. In Deutschland werden dazu Seminare, Schulungen und Coachings angeboten. Bei unterschiedlichen Dienstleistern kann man sich zum Scrum Master zertifizieren lassen. Meiner Meinung nach ist es allerdings sinnvoller, wenn Unternehmen potentielle Kandidaten erkennen und ihnen firmenintern Förderungen anbieten oder diese zu entsprechenden Weiterbildungen schicken. Scrum Master kann nur der werden, der die nötigen Softskills mitbringt.

Wo liegt der Unterschied zwischen einem Scrum Master und einem Agile Coach?

Während der Scrum Master ausschließlich für sein Scrum Team zuständig ist (idealerweise nur eins), kann der Agile Coach einer einzelnen Person, einem Team oder sogar einem Unternehmen unterstützend und beratend zur Seite stehen. Der Agile Coach hilft dem gesamten Unternehmen dabei, anpassungsfähig und selbstlernend zu werden, damit auftretende Probleme selbst gelöst werden.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit agile Softwareentwicklung funktionieren kann?

Die unternehmerische Strategie und Planung muss mit den Projektverläufen und Methoden der Entwicklungsteams zu vereinbaren sein. Scrum funktioniert häufig nicht, wenn die bestehenden Unternehmensstrukturen dafür nicht ausgelegt sind. Ist ein Sprint einmal geplant, dürfen keine neuen Anforderungen „von oben“ durchgedrückt werden. Der Scrum Master trägt auch hier die Verantwortung, das Team vor Einflüssen von außen zu schützen. Für das Team selbst ist die Transparenz am Wichtigsten. Alle Fortschritte und Hindernisse sollten für alle Teammitglieder gleichermaßen sichtbar sein. Das gelingt nur durch Kommunikation. Jeder Einzelne hat die Aufgabe sich und seine Arbeit bewertbar und überprüfbar zu machen. Aber auch das ist nicht immer so simpel, wie es klingt. Es erfordert viel organisatorischen Aufwand, diese kommunikativen Strukturen zu schaffen und zu nutzen. Denn Scrum passt nicht immer und überall und erfordert genau dann zunächst einmal ein größeres Umdenken in Unternehmen, wenn diese zuvor ausschließlich auf z.B. Wasserfall-Prozesse gesetzt haben. Vorteile und Nachteile der Methode sollte man dementsprechend stets im Hinterkopf behalten.

Warum setzt die d.velop AG auf agile Softwareentwicklung?

Wir leben in einer Kultur, in der jeder reden darf und jeder gehört wird. Eine effektive Meetingkultur, die auf gemeinsame Rituale, wie Dailies, Retrospektiven, Refinements und Plannings setzt, unterstützt dies. Meiner Erfahrung nach, ist die Interaktion und der Austausch untereinander häufig wichtiger für den Erfolg als Prozesse oder Werkzeuge. Letztere sind austauschbar und sollten es auch sein. Das direkte Gespräch allerdings ist es nicht.