OEM Partner – Ein zunehmend wichtiger Bestandteil der Industrialisierung innerhalb der IT-Branche

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In Zeiten des digitalen Wandels sind Partnerschaften zwischen Unternehmen zukunftsentscheidend

Dieser Blogartikel thematisiert die Industrialisierung der Software Branche und dessen Standardisierung und stellt dabei die Bedeutung von strategischen Partnerschaften heraus.

Mit Blick auf privatwirtschaftliche Unternehmen ist in jüngster Vergangenheit ein zunehmendes Wachstum hinsichtlich Partnerschaften sowohl zwischen branchennahen- als auch zwischen branchenfremden Unternehmen erkennbar.[1] Der Grund dafür ist, dass sich Unternehmen durch den dynamischen, technologischen Wandel zunehmend auf Ihre Kernkompetenzen fokussieren müssen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Dabei entstehen eine Vielzahl an Partnerschaftsvarianten, beginnend mit den Value-Added Resellern (VAR) über reine Technologiepartner, bis hin zu der in diesem Blogartikel thematisierten Partnerschaft mit dem Original Equipment Manufacturer, kurz: OEM.

Per Definition ist die Rede vom „Erstausrüster“. Dabei handelt es sich ganz allgemeingültig um einen Hersteller von Komponenten oder Produkten, welcher diese zwar eigenständig produziert, aber nicht selbst in den Handel bringt. In der IT und Softwarebranche wird eine Firma als OEM bezeichnet, wenn diese Produkte, Lösungen oder Komponenten von einem anderen Hersteller bezieht, diese möglicherweise für eigene Zwecke modifiziert oder in den eigenen Softwareprodukten verbaut und demnach die Lösung des OEM’s um seine Fachlichkeit erweitert.

Die Automobilindustrie als Wegbereiter für OEM Partner

Der Ursprung des OEM-Partnerschaftsgedanken lässt sich weit zurückführen in die Zeit der Industrialisierung. Denken wir an unseren Lieblings-Pionier: Henry Ford. Mit der Einführung seines Einstiegsmodells – dem Ford T Modell – kam einhergehend die Fließbandproduktion. Diese ermöglichte Ford, die Produktionskosten für sein Automobil durch Standardisierung und Automatisierung drastisch zu verringern. Das Auto konnte kostengünstiger verkauft und damit einer breiten Masse zur Verfügung gestellt werden.[2][3]

Heute wie damals gehört es bei allen Automobilherstellern zur klassischen Wertschöpfungskette, dass Zulieferer eingebunden werden, die eigens produzierte Einzelkomponenten wie Steuergeräte, Scheinwerfer oder Reifen direkt an die Fließbänder anliefern. Anders sind die hohen Produktionszahlen nicht zu erreichen. Die zur Produktion eines Fahrzeugs notwendigen Komponenten werden also – zumeist bis auf den Motor – von spezialisierten unternehmensexternen Partnerunternehmen oder über den freien Markt bezogen. Es handelt sich um ein klassisches OEM Business! [4]

Auswirkungen der Industrialisierung auf die IT- und Kommunikationsbranche

Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass die Industrialisierung auch im Bereich der Software voranschreitet.[5] So ist ein stetiger Anstieg im Anteil der Standardsoftware innerhalb des IT-Markts zu erkennen, um circa 2% jedes Jahr.[6] Insbesondere das Beispiel gängiger Büroanwendungen, die vom Benutzer heutzutage nur noch minimal angepasst werden („Off-the-Shelf-Software“), legt diesen Schluss nahe.

Wie die Automobilbranche erfährt derzeit die Informations- und Kommunikationsbranche eine zunehmende Standardisierung, welche mit der Spezialisierung der einzelnen Hersteller einhergeht. Bereits 2008 wurde diese Entwicklung in einer wissenschaftlichen Untersuchung am Beispiel des Herstellers SAP („Spezialisierung als Ausprägungsform einer Industrialisierung der Software-Branche – Eine Analyse am Beispiel der ERP-Software von SAP“) aufgezeigt. Man geht davon aus, dass zukünftig mit einer weiter steigenden Anzahl an (OEM-) Partnerschaften zu rechnen ist, weil die Kosten für ein breit aufgestelltes Produktportfolio nicht mehr im Verhältnis zu den Herstellungs- bzw. Entwicklungskosten stehen werden.

Am Beispiel SAP zeigt sich, dass bei einer Spezialisierung der Produkte und/oder Dienstleistungen eine Standardisierung eben jener angebotenen Leistungen vorausgesetzt werden muss. Eine Standardisierung bedeutet eine Reorganisation der Wertschöpfungskette und demnach auch alternative Vertriebswege in Betracht zu ziehen. Auf Grund dessen kam man bereits in einer sehr frühen Wachstumsphase bei SAP zu der Erkenntnis, den monolithischen Ansatz durch Beratung und Implementierung aufzubrechen. SAP hatte seit jeher ein Interesse daran über Partner zu skalieren und hat so einen ganzen Industriezweig geschaffen. Zusätzlich zu der Auslagerung von Dienstleistungen rückte auch immer mehr die Idee in den Fokus, einzelne Produktkomponenten extern zu beziehen und sich „nur“ noch auf Kernkompetenzen zu fokussieren – sprich einer Spezialisierung auf die eigene Domäne.

Folgerichtig geht die Bewegung dahin, dass die meisten Softwarehersteller sich richtigerweise auf die Lösung von Problemen einer bzw. ihrer speziellen Domäne konzentrieren und damit erfolgreich sind. Das kann beispielsweise der Handel mit Holz, die Verwaltung von Wohnungen, das Pflegen und Nachhalten von Patientenakten, das Verwalten von Klienten oder die Selektion von Bewerbern sein. Die Entwicklungen des IT-Marktes und die dazugehörigen Zahlen sprechen eine ähnliche Sprache. So generierten Hersteller allein in Deutschland einen Umsatz über 24,4 Milliarden Euro im Jahr 2018.

Vorteile der Integration eines DMS in eine fach- oder branchenbezogene Lösung eines Softwareherstellers

Allen Fachlösungen ist gemein, dass Dokumente „intern“ erstellt werden oder diese von „außen“ in die Organisation der Kunden hineinkommen. Viele Dokumentenprozesse entstehen beinahe beiläufig. Für viele Softwarehersteller ist der Umgang mit Dokumenten dennoch oft nur ein Randthema und wird daher eher rudimentär gelöst. Verständlich, wenn der Hersteller im Zuge der Industrialisierung korrekterweise sein Augenmerk auf hohe Spezialisierung und Standardisierung seiner Lösung legt.

Beispiele für „vernachlässigte“ Dokumentenprozesse sind u.a. BLOBs in Datenbanken, welche auf Grund deren Größe, die Performance belasten oder, um ein weiteres Beispiel zu nennen, die Ablage der Dokumente auf einem Serverlaufwerk, was zumindest unter Aspekten der Revisionssicherheit bedenklich ist und einen weiteren Nutzen einer DMS-Software darstellt.[7]

Um dem eigenen Kunden im Bereich DMS eine effiziente und sichere Lösung anzubieten, ohne diese selbst zu entwickeln, drängt sich im Rahmen einer passenden OEM-Partnerschaft die Integration eines DMS nahezu auf. Dieses übernimmt je nach Bedarf die Erfassung, Speicherung, Verwaltung, Bereitstellung oder rechtskonforme Archivierung von Dokumentenmassen. Wichtig wird dies für Kunden vor allem beim Thema Compliance und auf dem Weg hin zu einem papierarmen Büro.

Vorteile OEM Partner

Wenn Sie sich in den hier vorgestellten Szenarien als ISV wiederfinden und von den Vorteilen eines OEM Partners profitieren möchten,  buchen Sie gerne direkt ein Beratungsgespräch!

 


Quellen

[1] Spezialisierung als Ausprägungsform einer Industrialisierung der Software-Branche – Eine Analyse am Beispiel der ERP-Software von SAP; Seite 154

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Ford_Modell_T

[3] https://www.welt.de/motor/article115631033/Wie-Model-T-das-Auto-revolutionierte.html

[4] https://techterms.com/definition/oem

[5] https://www.wim.bwl.uni-muenchen.de/download/epub/2007_manrep_02.pdf

[6] https://luenendonk.de/wp-content/uploads/2013/05/LUE_Liste_u_PI_2013_Standard_Software_f160520131.pdf ; https://de.statista.com/statistik/daten/studie/151628/umfrage/umsatz-fuehrender-standard-software-unternehmen-in-deutschland/ ; https://de.statista.com/statistik/daten/studie/189877/umfrage/marktvolumen-im-bereich-informationstechnik-in-deutschland-seit-2007/

[7] https://www.cioatwork.com/articles/4620-EN-what-is-a-blob?locale=de

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/151628/umfrage/umsatz-fuehrender-standard-software-unternehmen-in-deutschland/
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/189877/umfrage/marktvolumen-im-bereich-informationstechnik-in-deutschland-seit-2007/