Chief Digital Officer – Wer er ist und warum er gebraucht wird?

Der CDO: Mehr als nur eine schwammige angloamerikanische Jobbezeichnung

Mit dem Tempo, in dem die Digitalisierung voran schreitet, zeichnet sich zunehmend ab, dass Einzelkämpfer und freiwillige Armeen nicht mehr ausreichen, um die digitale Transformation im Unternehmen erfolgreich zu gestalten. Wird es Zeit für einen „digitalen Anführer“, der das Zepter in die Hand nimmt und Unternehmen sicher durch die unsteten Zeiten des digitalen Wandels führt? Allem Anschein nach „Ja“ und sein Name lautet CDO. Nein, wir sprechen hier weder von einer Trenddiät, noch von einer neuen Protestpartei, sondern vom Chief Digital Officer.

Wer ist dieser CDO?

Der CDO ist kein selbst ernannter Social-Media-Guru oder reiner Tech-Freak. Hinter dem Titel steckt viel mehr.

Was weiß Wikipedia über diese Rolle? „Ein Chief Digital Officer (CDO) ist eine Person, die einem Unternehmen, einer Regierungsorganisation oder einer Stadt zu Wachstum verhilft, indem sie die Umwandlung von traditionellen, „analogen“ Unternehmen zu digitalen bzw. E-Businesses führt. Er kümmert sich somit um die Digitale Transformation und ist um handlungsfähig zu sein, Teil des Vorstandes“, heißt es dort in der Einleitung.

Fest steht: Kein Job für Jedermann. Wirft man einen Blick in die gängigen Fachartikel zum Rollenverständnis wird deutlich, der CDO sollte bestenfalls „Erfahrung im Businessdevelopment besitzen“, „BWL-Know-How mitbringen“, „sich mit Marketing und E-Commerce auskennen“, „verstehen wie Produktionsprozesse funktionieren“, „wissen wie Konsumenten ticken“, „innovativ denken“, „technisch versiert sein“, „herausragende kommunikative und kollaborative Soft Skills mitbringen“… und das ist gefühlt nur ein Bruchteil der Anforderungen, die der neue digitale Strippenzieher im Unternehmen erfüllen muss. Die Liste der Anforderungen ist lang. Zu lang?

Wenig verwunderlich also, dass Skeptiker und Kritiker daran zweifeln, ob eine solche Person überhaupt existiert und er die Verheißung einer glorreichen digitalen Zukunft erfüllen kann. Doch es gibt ihn! Versprochen. Irgendwo dort draußen – oder vielleicht sogar drinnen, in den eigenen unternehmerischen vier Wänden. Die Notwendigkeit des CDO ist keine reine Glaubensfrage mehr.

„The trick is finding such a person“ heißt es deshalb in einem Beitrag des Wallstreet Journals über die Suche nach dem digitalen Messias in den Führungsetagen dieser Welt. Ein Blick auf die Qualifikation derzeitiger CDOs weltweit zeigt, dass der berufliche Background stark variiert.

Qualifikation derzeitiger CDO´s

Warum ist eine solche Person notwendig?

Gewiss wäre es angesichts der Mammutaufgabe „Digitalisierung“ blauäugig anzunehmen, dass sich diese Herausforderung von nur einer einzigen Person bewältigen ließe. Wünschenswert wäre es, dass einzelne Fachbereiche und deren Führungskräfte sich in der Verantwortung und Herausforderung sehen, Digitalisierungsinitiativen selbstständig umzusetzen. Das sollte früher oder später auch das erklärte Ziel sein. Dennoch ist diese Zielsetzung – Hand auf’s Herz – in vielen Unternehmen und Branchen derzeit fernab jeder Realität.

Viele Branchen müssen erst noch lernen, digital zu denken. Aber „Digitale Denkweisen“ im Unternehmen entstehen nicht über Nacht. Sie müssen strategisch verankert, geplant und angestoßen werden. Und genau hier kommt der CDO ins Spiel –  als Initiator, Mediator und Koordinator. Ein Beitrag von McKinsey schildert anschaulich, welche Aufgaben der CDO zu erfüllen hat, um all diesen Rollen gerecht zu werden.

Neben der strategische Neuausrichtung ist die Hauptaufgabe des CDOs die digitale Qualifizierung von Führungs- und Fachkräften. Abteilungsübergreifend und unternehmensweit. Dabei macht er sich im Idealfall überflüssig, sobald das Unternehmen die eigene Transformation geschafft hat.

Sich selbst überflüssig machen als erklärtes Karriereziel? Der CDO muss doch irgendwie anders ticken? Und das tut er auch.

Was zeichnet die digitale Führungspersönlichkeit aus?

Neben einem umfassenden Maß an Wissen und praktischen Fähigkeiten, ist es insbesondere ein spezielles „Mindset“, welches den CDO von anderen Führungspersönlichkeiten signifikant unterscheidet. Eine repräsentative Studie unter Digital Leadern aus Nordamerika und Europa bestätigt: Der CDO ist vor allem innovativer, disruptiver, wagemutiger, sozial anpassungsfähiger und entschlossener als seine C-Level Kollegen. Somit vereint der CDO Persönlichkeitsmerkmale und Managementfertigkeiten, die sich eindeutig von denen eines klassischen Executives abheben.

Digital Transformation Leaders vs. Other Senior Executives

Quelle: Russell Reynolds Association. Productive Disruptors: Five Characteristics That Differentiate Transformational Leaders

Ist ein fähiger Kandidat gefunden, wird selbst dieser an seiner CDO-Rolle scheitern, wenn bestimmte Bedingungen im Unternehmen nicht gegeben sind.

Das Unternehmen rüsten!

So benötigt der CDO ausreichend Handlungs- und Entscheidungsspielraum. Nicht ohne Grund heißt es, der CDO sollte nur ein bis zwei Plätze vom CEO entfernt sitzen. Er muss die nötige Rückendeckung der Unternehmensspitze erhalten. Veränderungen sind manchmal schmerzhaft und deshalb braucht es eine Durchsetzung von oben. So muss das Thema Digitalisierung on top der unternehmerischen Agenda stehen und sich gegebenenfalls in einer neuen strategischen Ausrichtung widerspiegeln. An dieser Stelle ist es immer auch notwendig, dass an der Budget-Schraube gedreht wird. Eine Modernisierung der IT wird zwangsläufig notwendig sein. Ohne Investition kein Gewinn. Experten warnen, dass zu wenig Budget und mangelnde Weisungsfugnis auch dazu führt, dass Digitalchefs nicht ernst genommen werden.

Des Weiteren muss ein gewisses Maß an Kooperations- und Veränderungsbereitschaft vorliegen. Digitale Transformation bedeutet auch immer eine Veränderung der Unternehmenskultur- und philosophie. Der Chief Digital Officer wird demzufolge auf andere Füße treten. Er ist ein notorischer Störenfried. Die besten Social Skills reichen aber nicht aus, wenn sich andere Führungsfiguren und Mitarbeiter strikt vor Veränderung verschließen. Hier gilt es Stück für Stück ein neues Bewusstsein zu schaffen. Reine Managementanweisungen reichen nicht. Der CDO kann wichtiger Impulsgeber sein, um Umdenken anzustoßen.

Jetzt handeln!

Die Frage, ob das eigene Unternehmen einen CDO benötigt, sollte sich Angesicht dessen erübrigen. Die eigentliche Frage lautet: Wo finde ich schnellstmöglich eine solche Person? Losgelöst von aktuellen Diskussionen, ob nicht auch der CIO oder andere Verantwortliche aus dem Kreise des Top-Managements diesen Job übernehmen können, ist es vor allem wichtig, dass diese eine Person mit einer disruptiven Perspektive und einer „digital first“-Einstellung den unternehmerischen Status quo zu jedem Zeitpunkt in Frage stellt bzw. in Frage stellen darf!

Fakt ist, den Digital Leader für die eigene Führungsmannschaft zu finden, ist bestimmt kein leichtes Unterfangen. Aber ein lohnendes!

Unternehmen sollten jegliche Maßnahme – auch personell – ergreifen, um für die digitale Transformation gewappnet zu sein.

Der erfolgreiche CDO von heute ist eventuell schon der geeignete CEO von morgen.

 

 

Carolin Ostendarp

Customer Touchpoint Manager, d.velop AG

Werden Sie Teil des d.velop Blogs. Hier können Sie tägliche, wöchentliche oder monatliche Updates abonnieren. Wir freuen uns auf Sie!