ZUGFeRD 2.0 – Der ZUGFeRD-Standard galoppiert in die zweite Runde

ZUGFeRD. Mittlerweile sollte der Begriff jedem Unternehmen bekannt sein. Denn seit 2014 wurde fleißig Aufklärungsarbeit für das elektronische Rechnungsformat geleistet.

Drei Jahre sind seit dem ersten Erscheinen von ZUGFeRD vergangen. Nun galoppiert der ZUGFeRD-Standard in die zweite Runde. Ein erster Entwurf zum neuen Standard ist am 21.07.2017 erschienen und steht nun zur öffentlichen Kommentierung bis zum 25.08.2017 bereit. Nach Einarbeitung der Kommentare wird die finale Fassung einem Plenum am 13.09.2017 zur Freigabe vorgelegt. 

Aber was steht eigentlich drin in dem neuen Entwurf?

Zwei Dokumente sorgen für Aufklärung. Das erste Dokument, die Roadmap ZUGFeRD 2.0, besteht aus einer kurzen Erläuterung der Eigenschaften des neuen Standards und zeigt den weiteren Ablauf inkl. Meilensteine auf. Im zweiten Dokument wird hingegen der Entwurf von ZUGFeRD 2.0 auf technischer Ebene fokussiert. Es wird beschrieben, wie genau elektronische Rechnungen mit ZUGFeRD 2.0 Standard erzeugt werden können. Die Links zum Download finden Sie am Ende des Artikels.

Für alle die, die nicht beide Dokumente durcharbeiten wollen, haben wir die wichtigsten Punkte des Entwurfs festgehalten – ohne dabei in technische Untiefen abzutauchen.

Das Ziel: Einen internationalen Standard für elektronische Rechnungen schaffen

Der ZUGFeRD Standard verfolgt das Ziel, den Austausch elektronischer Rechnungen durch Einführung eines hybriden Rechnungsformats zu vereinfachen. FeRD selbst betont:

„Im Bereich der öffentlichen Auftraggeber in Europa soll der strukturierte Datenaustausch elektronischer Rechnungen gefördert werden. Im B2B-Umfeld stellt die Forderung nach einem ausschließlichen Austausch strukturierter Daten immer noch eine Implementierungshürde dar. […] eine hohe Verbreitung eines solchen Austauschs hat bisher aus Komplexitäts- und Kostengründen nicht stattgefunden. Die Einführung eines rein strukturierten Formats in einer gesamten Volkswirtschaft benötigt die Definition eines Einführungsstichtags mit komplexen Übergangsszenarien, beziehungsweise ist nicht möglich, da bei rein strukturiertem Datenaustausch andernfalls eine bilaterale Abstimmung notwendig ist. Die Anwendung des Konzepts einer hybriden Rechnung hilft diese Lücke zu schließen und so – Zug um Zug – alle Organisationen auf den Weg des Austauschs rein strukturierter Daten vorzubereiten. Nicht jede Organisation muss zeitgleich die strukturierten Daten (eingangsseitig) vollständig verarbeiten können. Somit reduziert die hybride Rechnung die Komplexität, die Kosten für Sender und Empfänger und führt zu einem volkswirtschaftlichen Effizienzgewinn. Mit Hilfe der hybriden Rechnung wird die Anzahl benötigter Ein- und Ausgangskanäle reduziert, während gleichzeitig einer weiteren Herausforderung begegnet wird.“

Es soll letztlich ein internationaler Standard für elektronische Rechnungen etabliert werden. Keine neue Information für alle, die zum Thema ZUGFeRD auf dem Laufenden sind.

Auslöser für ZUGFeRD 2.0: Die europäische Norm EN 16937 vom CEN

Nun wurde im Juni 2017 die europäische Norm für die Kernelemente einer elektronischen Rechnung EN 16931 vom CEN (Europäisches Komitee für Normung) veröffentlicht. Dementsprechend galt es ZUGFeRD 1.0 anzupassen. Dies geschah im Rahmen der deutsch-französischen Agenda. ZUGFeRD 2.0, international Factur-X genannt, wurde geboren und entspricht allen Anforderungen der neu erschienenen Norm.

„Im Rahmen der deutsch-französischen Digitalen Agenda wurde Factur-X als gemeinsame Spezifikation zur Umsetzung der europäischen Norm EN 16931 durch das Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD) und das Forum National de la Facture Electronique (FNFE) entwickelt. Aus ZUGFeRD 1.0 wird ZUGFeRD 2.0 – auf internationaler Ebene  “Factur-X” genannt.“ (FeRD)

Mit diesem Schritt wird der Austausch auf europäischer Ebene vereinfacht und rechtlich sichergestellt werden.

Europäische und nationale Verpflichtung zur Akzeptanz von ZUGFeRD 2.0

Da das ZUGFeRD 2.0 Profil allen Anforderungen der EN 16931 entspricht, wird es von allen europäischen Verwaltungen gemäß EU-Richtlinie akzeptiert. In Frankreich akzeptieren darüber hinaus öffentliche Verwaltungen, die an das zentrale E-Rechnungs-Portal “Chorus” angeschlossen sind, die anderen Factur-X-Profile Basic, Extended und Buchungshilfe. An dieser Stelle wird bereits deutlich, dass ZUGFeRD 2.0 ein Paket verschiedener Profile ist.

Umfang von ZUGFeRD 2.0 / Factur-X

Das in der Norm EN16931 definierte Modell bildet nur die Kernelemente einer Rechnung ab. In der Praxis werden, z.B. branchenabhängig oder nach gesetzlichen Vorgaben, weitere Angaben benötigt. Denn ohne diese Informationen kann eine vollautomatisierte Verarbeitung der Rechnung und der damit verbundene Effizienzgewinn nicht erreicht werden. Deshalb ist im Kontext von ZUGFeRD 2.0 nicht nur die Abbildung von EN16931-konformen Rechnungen festgelegt. Es gibt zusätzlich auch eine abgestimmte, branchenübergreifende Erweiterung:  ZUGFeRD 2.0: Profil Extended. Dieses Profil definiert, wie das Konzept der hybriden Rechnung im Rahmen einer fully compliant CIUS zur EN16931 umgesetzt werden kann.

  1. ZUGFeRD 2.0 / Factur-X ist ein Paket:

ZUGFeRD 2.0 – Teil 1: Profil EN 16931

ZUGFeRD 2.0 – Teil 2: Profil Extended

ZUGFeRD 2.0 – Teil 3: Profil Basic

ZUGFeRD 2.0 – Teil 4: Profil Buchungshilfe

  1. Das ZUGFeRD 1.0-Profil “Comfort” wurde in der Version 2.0 umbenannt. Es entspricht vollständig der Europäischen Norm (Profil EN 16931)
  2. Die ZUGFeRD-Profile Basic, EN 16931, Extended und Buchungshilfe wurden mit dem französischen Forum harmonisiert

Wie geht’s weiter? Die Meileinsteine auf einen Blick

FeRD selbst verrät im erschienenen Dokument wie der weitere Verlauf aussieht. Folgende Roadmap wurde veröffentlicht:

  • Ende Juli 2017: Veröffentlichung des Release Candidate für das ZUGFeRD 2.0 Teil 1: Profil EN 1693
  • Ende August 2017: Ende der Kommentierungsfrist zu Teil 1
  • Ende September 2017: Veröffentlichung des Final Release für das ZUGFeRD 2.0 Teil 1: Profil EN 16931
  • Voraussichtlich Ende August 2017: Veröffentlichung des Mapping für die UN/CEFACT-Syntax in CEN TS 16931-3-3
  • Ende August 2017: Entwicklung des Release Candidate für die Teile 2 bis 4
  • Ende September 2017: Ende der Kommentierungsfrist zu Teilen 2 bis 4
  • Ende Oktober 2017: Veröffentlichung des Final Release für alle ZUGFeRD 2.0-Profile

Dokumente zum Download auf der FeRD-Seite

Zwei Dokumente stehen aktuell zum Download auf der FeRD Website  zur öffentlichen Kommentierung bereit:

  1. FeRD Roadmap_ZUGFeRD_2p0_Factur-x.pdf   (Erläuterung zur Spezifikation und zum weiteren Vorgehen)
  2. FACTUR-X_ZUGFeRD_2p0_Teil1_Profil_EN16931_1p0.pdf (Entwurf der Spezifikation von ZUGFeRD 2.0 im Profil EN16931)

 

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Quellen:

http://www.ferd-net.de/aktuelles/meldungen/kommentierung-zugferd-2.0.html

FeRD Roadmap_ZUGFeRD_2p0_Factur-x.pdf 

FACTUR-X_ZUGFeRD_2p0_Teil1_Profil_EN16931_1p0.pdf