Elektronische Patientenakte: Wie Sie Ihren Arzt vor Fehldiagnosen bewahren

Laut eines Berichtes in der Printausgabe der Rheinischen Post ergibt der Krankenhausreport der AOK ein erschreckendes Bild in Bezug auf Fehldiagnosen. Jedes Jahr kommt es zu 190.000 Behandlungsfehlern in deutschen Krankenhäusern. 10 Prozent davon enden sogar tödlich.

Lückenhafte Patientenakten als Grund für Fehldiagnosen?

Sicher sind die Gründe für die Fehldiagnosen vielfältig. Ich wage aber als Nicht-Mediziner die These, dass das Vorhandensein einer lückenlosen Krankheitshistorie bei der jeweils aktuellen Diagnose zumindest durchaus von Vorteil sein könnte. Und diese Krankengeschichte steht ja vermeintlich in der persönlichen Patienten- oder Krankenakte. In dieser vermutet man alle wichtigen Informationen zu früheren Symptomen, Unverträglichkeiten oder Diagnosen – klar, transparent und präzise aufgeschlüsselt.

Patientenakten sind aktuell nur selten gepflegt

Die Stiftung Warentest hat vor einigen Monaten einen interessanten Versuch gemacht: Laut Patientenrechtegesetz steht es jedem Bürger frei, jederzeit Einsicht in seine Patientenakte zu nehmen und sogar auch eine komplette Kopie dieser Akte einzufordern. Das steht in Paragraf 630g des BGB.

Die Stiftung Warentest hat nun über Probanden bei 12 verschiedenen Arztpraxen diese Einsicht erhalten. Die Ergebnisse waren durchaus furchterregend:

  • 7 von 12 Akten waren nahezu leer oder sehr lückenhaft. Es fehlten etwa Notizen des Arztes zu Diagnosen und Therapien.
  • 3 von 12 Akten sind wegen schlechter Kopierqualität nicht ganz lesbar. Teils schwer zu entziffern sind handschriftliche Notizen. Der Begriff „Doktorschrift“ kommt nicht von ungefähr…
  • Nur bei 2 Praxen war die Herausgabe der Akten selbstverständlich. In 6 Praxen wurde gefragt, wofür der Proband die Akte benötige. 4 Mal reagierten Mitarbeiter sogar abweisend.

Die elektronische Patientenakte tut bitter Not

Eine digitale Patientenakte beinhaltet alle relevanten Daten und Unterlagen aus den unterschiedlichsten Systemen, macht sie jederzeit von überall her abrufbar und verschafft so allen Berechtigten einen sofortigen Überblick über Ursachen, Vorgeschichte und Verlauf einer Erkrankung – lebenslang!

Die heutigen mobilen Kommunikations- und Datensicherheitsdienste ermöglichen weiterhin auch den sicheren und kontrollierten Zugriff auf diese Digitale Patientenakte. Leider ist das sogenannte eHealth Gesetz, bei dem der Gesetzgeber erstmals konkrete Fristen für die Vernetzung und für elektronische Anwendungen vorsieht, noch nicht rechtsgültig. Der zuständige Bundesgesundheitsminister Minister Gröhe sagt zu Recht, dass digitale Vernetzung den Patienten schütze. Ebenso Recht haben natürlich auch diejenigen, die die Schweigepflicht und den Schutz der Persönlichkeitsrechte in diesem Zusammenhang sehr hoch bewerten.

Offen gestanden bewerte ich die Möglichkeit, Patienten schneller und effizienter zu behandeln höher, als jeder noch so gute Grund die notwendige Transparenz zu verhindern.

Die Pflicht für die digitale Patientenakte muss kommen – und zwar schnell!

Mehr zur Patientenakte von d.velop

Andreas Jörgs

Market Director Healthcare, d.velop AG